Wegweiser zum Thema Bettwanzen

In der digitalen Zeit, in der massenhaft und ungeprüft Informationen und Meinungen gepostet und verbreitet werden, ist es uns ein Anliegen, kursierende Informationen mit Fachwissen abzugleichen und somit zu einem fundierteren Wissen zu gelangen.

Gemeinsam mit der The Bedbug Foundation (Die Bettwanzen Stiftung) in Großbritannien (www.bedbugfoundation.org) beteiligt sich die WALDEMAR GmbH aktiv an einen konsequenten, offenen und ehrlichen Umgang mit Bettwanzen in Europa und sorgt für deren systematische und nachhaltige Beseitigung, ohne Chemie.

Wir hoffen, dass dieser Wegweiser zu einem besseren Verständnis beiträgt, für eine gute Prävention sorgt und Überreaktionen sowie Spekulationen gegenüber Bettwanzen eindämmt.

Und denken Sie immer daran, Bettwanzen sind KEIN Anzeichen für mangelnde Hygiene!

Bleiben Sie bettwanzenfrei!
Marcel Pleister

GESCHICHTE DER BETTWANZEN

DIE BETTWANZE

ENTWICKLUNGSZEIT DER BETTWANZE

FORTPFLANZUNGSRATE DER BETTWANZE

PRÄVENTION

MONITORING

VERWECHSLUNGEN MIT BETTWANZEN

ANZEIGEN VON BEFALL

SCHRITTE BEI DER BETTWANZENBEKÄMPFUNG

BETTWANZENMANAGEMENT

BEKÄMPFUNGSABLAUF

BEFALL ERMITTELN

BEKÄMPFUNG VORBEREITUNG

CHEMIEFREIE BEKÄMPFUNG

NACHBEHANDLUNG

KRANKHEITSÜBERTRAGUNG

SCHLUSSWORT


Geschichte der Bettwanze

a. Der Ursprung

Die ältesten Überreste von Bettwanzen sind in ägyptischen Mumiengräbern gefunden worden. Das beweist, dass die Beziehung zwischen Menschen und Bettwanzen bereits seit mehr als 4000 Jahren besteht.

Man vermutet, dass zu jener Zeit, als die Menschen noch in Höhlen lebten, sich Bettwanzen aus Fledermauswanzen (oder einem gemeinsamen Vorfahren) entwickelt haben.

b. Entwicklung

Nach dem 2. Weltkrieg führten die Entdeckung und der Einsatz synthetischer Insektizide zu spürbaren Verbesserungen der allgemeinen Lebens‐ und Wohnsituation. Parallel dazu verzeichnete die Bettwanzenpopulationen in Europa einen dramatischen Rückgang.

c. Globalisierung

Die Bettwanzenpopulation war anschließend 50 Jahre auf einem sehr niedrigen Niveau. Seit der Jahrtausendwende zeigt sich wieder ein anderes Bild. Viele Medien berichten über einen dramatischen Anstieg der Bettwanzenvorkommen in Europa, Australien, Asien und Nordamerika. Das Wiederaufleben der Bettwanzen ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen, wobei sowohl die Globalisierung als auch der Klimawandel eine große Rolle spielen.

d. Eskalation

Das fehlerhafte Bekämpfen und das ungehemmte Verwenden von chemischen Insektiziden haben dazu geführt, dass Bettwanzen Resistenzen gebildet haben und sich deswegen nicht so einfach bekämpfen lassen. Das trägt zur aktuellen Lage mit bei.

Die Bettwanze

Die Bettwanze ist eine Wanzenart (Hemiptera) und gehört zur Familie der Plattwanzen (Cimicidae). Wie alle ihre Arten ernährt sie sich ausschließlich von Blut. Ihr Entwicklungszyklus durchläuft fünf Stadien. In jeder dieser Stadien braucht sie mindestens einmal Nahrung (Blut), um sich weiterentwickeln zu können. Eine ausgewachsene Bettwanze ernährt sich wöchentlich. Sie kann aber auch bis zu sechs Monaten ohne Nahrung auskommen.

Die fünf Lebenszyklen der Bettwanze sehen Sie hier abgebildet.

Entiwcklungszeit der Bettwanze

Die Entwicklungszeit der Bettwanze ist von der Raumtemperatur abhängig.

In Räumen, in denen durchgehend weniger als 13° Celsius herrschen, hört die Entwicklung auf, legen die Weibchen keine Eier und bereits gelegte Eier schlüpfen nicht.

In Räumen, in denen durchgehend mehr als 36° Celsius herrschen, nehmen die Aktivitäten ebenfalls ab. Bei Temperaturen über 60° Celsius sterben sowohl die Eier als auch die Bettwanzen ab.

a. Entwicklungszeit

Fortpflanzungszet der Bettwanze

Die Vermehrung der Bettwanze ist stark von der Raumtemperatur abhängig. Unter idealen Bedingungen können die Weibchen 15 bis 25 Eier pro Woche ablegen und insgesamt bis zu 500 Eier im gesamten Lebensverlauf.

Prävention

a. Vorbeugen

Die wirtschaftliche Notwendigkeit – gerade in der Hotellerie und im Tourismusbereich – zwingt einen jeden verantwortungsvollen Betreiber oder Direktor, sich proaktiv mit dem Thema des Bettwanzenbefalls auseinanderzusetzen.

Negative Schlagzeilen in den Medien, in Online-Portalen und Gerichtsverfahren - als Folge von Reklamationen bei Bettwanzenbefall - stellen eine ernsthafte Bedrohung für das Unternehmen dar.

Erschwerend für ein gutes Reklamationshandling kommen die „sozialen Netzwerke“ hinzu. Hier werden schnell Bilder von irgendwelchen Stichen oder Befällen fotografiert und gepostet. Nicht selten handelt es sich hierbei um Flohbisse oder kleine Käfer, die der Bettwanze ähnlich sehen. Solche Nachricht werden verbreitet, bevor das Hotel-Management auch nur eine Chance hatte, sich mit dem Thema zu befassen.

Richtig und wichtig ist, dass Neubefälle nicht vermeidbar sind, da Bettwanzen permanent durch Gäste eingeschleppt werden. Der Schlüssel liegt deshalb in der Prävention. Durch eine gute Prävention kann ein Neubefall frühzeitig (also BEVOR der Gast es bemerkt) festgestellt und beseitigt werden. Dieser anscheinende Mehraufwand macht sich bezahlt, weil KEINE ZIMMER GESPERRT werden müssen und NEGATIVE BEWERTUNGEN ausbleiben.

Nachgewiesene Präventionsmaßnahmen schützen außerdem vor juristischen Ansprüchen, weil Sie als Unternehmer Ihrer SORGFALTSPFLICHT nachweislich nachkommen und somit Schadenersatzforderungen abwehren können.

b. Kontrolle

Im Hotel‐und Gastgewerbe sind präventive Routinekontrollen also ein wichtiger Teil der Bettwanzen‐Bekämpfungs-Strategie. Solche Routinekontrollen können größtenteils von geschultem (hoteleigenen) Personal erledigt werde. Es ist nur sicherzustellen, dass das Personal mit den Anzeichen eines Bettwanzenbefalls vertraut ist und eine Bettwanzen‐SCHULUNG durchgeführt wurde.

Die Häufigkeit von Routinekontrollen soll auf die Anforderungen des Hotels zugeschnitten werden und durch gelegentliche KONTROLLEN durch das NEMESIS-TEAM unterstützt werden.

STAFF TRAININGS von WALDEMAR sehen folgendermaßen aus:

  • Schulung des Housekeeping‐Personals für das Erkennen von Befall
  • Schulung der Haustechniker für das Erkennen von Befall
  • Schulung der Rezeptionsmitarbeiter im Umgang mit Beschwerden bei Bettwanzen

c. Präventivmaßnahmen

Bettwanzen ,gedeihen‘ dort am besten, wo sie Rückzugsmöglichkeiten in der Nähe des Wirtes haben. Das heißt, sie nutzen Ritzen und Spalten in Möbeln oder Wänden, um sich gut verstecken und vermehren zu können. Wenn Bettwanzen durch chemische Bekämpfung oder physische Störungen auseinandergetrieben werden, nutzen sie auch Rückzugsräume in größerer Entfernung zum Bett. Glatte und mängelfreie Oberflächen können deshalb bei einem Befall die Zahl der möglichen Verstecke und das unkontrollierte Ausbreiten von Bettwanzen reduzieren.

Silikon oder andere Dichtungsmassen können eingesetzt werden, um Risse und Spalten zu verschließen und so die Anzahl möglicher Bettwanzenverstecke zu minimieren. Durch solche essenziellen Maßnahmen werden zukünftige Behandlungen einfacher und zielführender.

Chemisch imprägnierte Matratzenabdeckungen werden nicht empfohlen, da solche Matratzenabdeckungen üblicherweise mit Pyrethroiden behandelt wurden und die meisten Bettwanzenarten dagegen resistent sind.

In den meisten Hotels gibt es Gepäckständer. Reisende sind gut beraten, diese zu nutzen. Fern vom Fußboden und Bett bleibt das Gepäck geschützt und Bettwanzen gelangen nur unter größeren Umständen in den Koffer.

MONITORING

a. Allgemein

Heutzutage gibt es viele Start-ups, die sich mit dem Monitoring von Bettwanzenbekämpfung befassen. Einige davon mögen hilfreich sein. Sie stellen jedoch durch fehlende - unabhängige Forschung- ein Risiko da. Falls eine Methode erwiesen ist, können derartige Überwachungssysteme für die Früherkennung von Neubefall wertvoll sein, als auch bei der Kontrolle nach erfolgreicher Beseitigung nützlich sein.

b. Systeme

Es gibt sowohl aktive als auch passive Überwachungssysteme. Aktive Systeme nutzen Lockmittel, um Bettwanzen in eine Falle zu locken. Passive Systeme nutzen den Wirt als Lockmittel.

Aktive Systeme

Bei aktiven Systemen gibt es Methoden, die mit Insektenpheromonen1 die Bettwanzen anlocken. Außerdem gibt es Systeme, die Wärme ausstrahlen oder CO2 ausstoßen, um die Anwesenheit eines Wirtes zu simulieren.

Passive Systeme

Passive Systeme setzen auf mechanische Möglichkeiten bei der Beseitigung von Bettwanzen. Weit verbreitet sind:

  • das natürliche Biozid Kieselgur
  • doppelseitiges Klebeband: Es wird im Bereich der Bettfüße angeklebt, wodurch die Bettwanzen nicht zum Wirt gelangen
  • Bett-Fuß-Falle: Es werden die vorhandenen Bett Füße gegen Bett-Fuß-Falle ausgetauscht, wodurch die Bettwanzen nicht zum Wirt gelangen

c. Entscheidung

Die Verwendung von passiven Monitoringsysteme jeglicher Art birgt durchaus Risiken, weil der Verlass auf solche Systeme zu Nachlässigkeit führen und so die Verbreitung von Bettwanzen unbemerkt eskaliert kann.

Deshalb sollten Sie sich folgende Fragen stellen:

Ist es eine bewerte Methode?
Wie hoch sind die Anschaffungskosten?
Welche Folgekosten gibt es (Wartung/Strom/Abonnement)?
Passt es ästhetisch im Zimmer?

VERWECHSLUNGEN MIT BETTWANZEN

a. Sind es wirklich Bettwanzen

Einige Insekten ähneln Bettwanzen in den verschiedenen Entwicklungsstadien. Daher ist es nicht selten, dass zu Unrecht ein Bettwanzenbefall gemeldet wird. Es empfiehlt sich, einen möglichen Befall vorher gut zu überprüfen bzw. überprüfen zu lassen. Um eindeutig feststellen zu können, ob Sie wirklich Bettwanzen haben, ist es wichtig, alle Entwicklungsstadien der Bettwanzen zu kennen und zu wissen, mit welchen Insekten sie eine hohe Ähnlichkeit aufweisen.

b. Schabennymphen

Die meisten Schabenarten sind viel größer als Bettwanzen, dennoch können Larven von Schaben der Bettwanze ähneln. Bei genauerer Betrachtung erkennt man die langen, schlanken Antennen der Schabennymphe.

c. Staubläuse

Staubläuse werden meist auf alten Büchern und in gelagerten Lebensmitteln wie z. B. Mehl gefunden. Sie gleichen in Größe und Farbe den Nymphen von Bettwanzen im ersten Stadium. Zur Feststellung braucht man eine Lupe. Staubläuse haben lange, schlanke Antennen und einen klar abgegrenzten Kopf

d. Teppichkäfer

Teppichkäfer gehören zu den Speckkäfern, von denen einige Arten in Größe und Umriss Bettwanzen gleichen. Sie gehören zu den Haushaltsinsekten, die man am ehesten im Bett oder in direkter Umgebung findet. Die Hüllen ihrer Larven können mit denen der Bettwanzen verwechselt werden, wobei die zahlreichen Haare der meisten Teppichkäferlarven und die Häutungsreste ein markantes Unterscheidungsmerkmal sind. Teppichkäfer beißen nicht, können aber bei manchen Menschen bissähnliche Hautreaktionen hervorrufen.

e. Diebskäfer

Diebskäfer sind eine Unterfamilie von Käfern mit langen Antennen, die in ihrer Größe frisch gefütterten BettwanzenNymphen im ersten oder zweiten Stadium ähneln. Manche Spinnenkäfer haben sogar einen rot schimmernden Leib, der sie aussehen lässt, als seien sie mit Blut gefüllt. Diebskäfer befallen gelagerte Lebensmittel, beißen aber keine Menschen.

f. Blumenwanze

Blumenwanzen fressen Blattläuse und kommen auf Obstbäumen vor. Obwohl sie selten im Haus anzutreffen sind, haben sie große Ähnlichkeiten mit den Nymphen von Bettwanzen und beißen gelegentlich auch Menschen.

ANZEIGEN VON BEFALL

a. Vorwort

Es gibt gute Chancen, dass Sie gar keine Bettwanzen haben. Die Firma WALDEMAR stellt häufig bei Kunden fest, dass eine Meldung von Bettwanzen irrtümlich stattgefunden hat. Die Bed Bug Foundation meldet sogar, dass weniger als 20% der Proben und Bilder, die sie erhält, als Bettwanzen bestätigt werden²).

Daher kommt es vor, dass Schädlingsbekämpfer teure Bettwanzenbehandlungen durchführen, obwohl der Kunde gar nicht von Bettwanzen befallen ist. Schützen Sie sich dagegen und ziehen Sie dieses Handbuch zurate, bevor Sie ein Unternehmen zur Schädlingsbekämpfung beauftragen.

b. Merkmale

Folgende Merkmale weisen Bettwanzen in allen Phasen ihres Lebenszyklus auf außer im Larvenstadium.

c. Eier

Die Eier von Bettwanzen sind etwa 1,2 mm lang und gut von anderen Insekten zu unterscheiden. Lebensfähige Eier sind perlenfarbig und bekommen in einer späteren Phase einen „Augenfleck“, was auf ein sich entwickelndes Embryo hindeutet. Geschlüpfte Eier erkennt man an dem Fehlen des „Augenflecks“ und an dem transparenten Äußeren.

d. Häutungen

Erfahrene Spezialisten können anhand der Häutungen, Bettwanzen leicht von anderen Insekten unterscheiden. Da die Überreste sehr lange erhalten bleiben, sind sie jedoch kein eindeutiges Indiz dafür, ob es sich um einen aktuellen oder früheren Befall handelt.

e. Spuren

Bettwanzen produzieren dunkle, wässrige Fäkalien, sobald sie sich ernährt haben. Diese Fäkalspuren sind meist der erste und beste Indikator für einen Befall. Schwarze tintenähnliche Flecken an Wänden, Matratzen oder Bettrahmen sind die bekanntesten Anzeichen für Wanzen. Allerdings können auch Spinnen, Fliegen und Schaben derartige Flecken produzieren.

f. Bisse

Bettwanzen ernähren sich vorwiegend an freizugänglichen Stellen. Sie krabbeln seltener auf dem Wirt herum. Auf der Suche nach einer geeigneten Bissstelle sticht die Bettwanze mehrfach zu, was eine Reihe von Bissspuren nach sich führt.

Wichtig: Ähnliche Bissspuren können ebenfalls durch andere Insekten, wie zum Beispiel Mücken, Flöhe und Läuse, verursacht werden. Allergische Reaktionen können auch durch Krätze, Milben und eine Vielzahl von Allergenen hervorgerufen werden. Die allergischen Reaktionen auf Bettwanzenbisse fallen unterschiedlich aus. Einige Betroffene zeigen keine Reaktion, während andere starke Blasenbildung bekommen. Gravierendere anaphylaktischer-ähnliche- Reaktionen sind selten, können aber vorkommen.

SCHRITTE BEI DER BETTWANZENBEKÄMPFUNG

Die herkömmliche Art, allein auf chemische Beseitigung zu setzen, hat dazu geführt, dass nun viele Insekten Resistenzen gebildet haben. Sie sind immun geworden. Zusätzlich ist die Verwendung von wirkungsvollen Insektiziden dank strenger Regulierungen nicht mehr zulässig. Andere Strategien müssen nun her.

Eine erfolgreiche Bekämpfung des Problems ist nur möglich, wenn folgende 6 Schritte durchgeführt werden.

1. Identifikation des Befalls
2. Ausmaß des Befalls (AUDIT)
3. Mechanische Bekämpfung
4. Beseitigen von Baumängeln (Verstecke)
5. Nachkontrolle
6. Prävention

Da klassische Schädlingsbekämpfer diese Leistungen nicht in diesem Umfang erbringen, hat WALDEMAR diese Kompetenzen unter einem Dach vereint. Dadurch ist es möglich, alle Schritte effizient und koordiniert durchzuführen.

BETTWANZENMANAGEMENT

Das konsequente Handeln erfordert eine systematische Vorgehensweise. Hierzu dient das Bettwanzen-Management-System (kurz: BMS). Dieses System beinhaltet klare Abläufe, Maßnahmen und Verhaltensanweisungen.

Ein BMS erhalten Sie nach dem AUDIT und vor der Bekämpfung. Es beinhaltet Folgendes:

  • AUDIT Report von allen Zimmern
  • Baumängelliste
    Potenzielle Verstecke
    „Brücken“ zu umliegenden Räumen
  • Schulungen der Mitarbeiter
    Umgang mit Gästen
    Deuten von Bettwanzenbefall
    Erste Maßnahmen bei Befall
  • Schulungen des ReinigungspersonalsDeuten von Bettwanzenbefall
    Umgang mit betroffener Bettwäsche
  • Kostenübersicht von allen Maßnahmen

BEKÄMPFUNGSABLAUF

Der Ablauf bei privaten Haushalten und im Gastgewerbe ist unterschiedlich, weil im privaten Bereich meist einmalig agiert wird und im Gastgewerbe eine langfristige Zusammenarbeit besteht.

Die folgenden Prozesskarten zeigen die typischen Abläufe einer Bekämpfung.

a. Private Haushalte

b. Gastgewerbe

BEFALL ERMITTELN

a. Bettwanzen-Verstecke

Bettwanzen verstecken sich überwiegend dort, wo sich der Wirt, also der Mensch, nachts aufhält - im Bett bzw. in der Nähe davon. Durch mangelhafte Bekämpfung (Verwendung von wirkungsloser Chemie und Vertreibung durch den Einsatz von Heizgeräten) verstecken sie sich auch weiter weg vom Bett.

Die üblichen Verstecke sind:

In und unter der Matratze
• Im Bettgestell, Bettrahmen und Lattenrost
• Hinter der Bettkopfblende
• Hinter Bilder- und Poster-Rahmen
• Hinter gelösten Tapeten
• Hinter Scheuerleisten
• In Steckdosen
• Hinter Schränken und Regalen
• In Vorhänge und Vorhangleisten
• In Kabelkanälen
• In Sockelleisten

b. Meldung

Es empfiehlt sich, im Verdachtsfall erst zu überprüfen, ob es tatsächlich Bettwanzen sind, bevor ein Befall gemeldet wird. Das Ziel einer Vorkontrolle ist, unnötige Anfahrts- und Einsatzkosten zu vermeiden.
Seriöse Schädlingsbekämpfer bieten (online) die Möglichkeit, gratis oder gegen eine geringe Aufwandsentschädigung die Art des Befalls festzustellen.

Wenn sich der Befall bestätigt, dann ist eine gründliche Vorbereitung unentbehrlich.

BEKÄMPFUNG VORBEREITUNG

a. Umfang feststellen

Bevor eine Behandlung stattfinden kann, sollte vorher das Ausmaß des Befalls festgestellt werden. Dies bedeutet, dass unzugängliche Verstecke ebenfalls überprüft werden müssen. Für solche Überprüfungen werden heutzutage speziell ausgebildete Fährtenhunden eingesetzt. Ergänzend zur visuellen Wahrnehmung finden Fährtenhunde mit ihrem Geruchsinn auch Bettwanzen, die sich hinter Scheuerleisten, Tapeten, Sockelleisten und in Kabelkanälen tummeln.

In Hotels sollten außerdem alle angrenzenden Räume, im Kubus-Verfahren überprüft werden.

b. Vorbereitung

Damit eine Bekämpfung wirkungsvoll durchgeführt werden kann, sollten Sie die betroffenen Räume gut vorbereiten. Hierbei ist auf Folgendes zu achten:

• Betten abziehen und Bettwäsche in Maisstärkesäcke verschließen
• Matratzen hochkant im Raum aufstellen
• Bettgestelle demontieren und in die Mitte des Raums legen
• Lattenroste in die Mitte des Raums legen
• Bettkopfblende abmontieren und in die Mitte des Raums legen
• Bilder- und Poster-Rahmen abnehmen und in die Mitte des Raums legen
• Steckdosen abmontieren und in die Mitte des Raums legen
• Schränke und Regale in die Mitte des Raums stellen

CHEMIEFREIE BEKÄMPFUNG

Angesicht dessen, dass die Verwendung von Chemikalien aus gutem Grund stark reguliert wurde und viele Bettwanzenarten bereits resistent gegen die gängigen Bekämpfungsmittel sind, werden chemiefreie Methoden zunehmend eingesetzt, nicht zuletzt auch aus ökologischen und nachhaltigen Gründen.

a. Staubsaugen

Nachdem einem Befall, der visuell und/ oder durch einen Spürhund festgestellt wurde, entfernt man die an der Oberfläche lebenden Bettwanzen mit einem Industriestaubsauger. Diese industriellen Staubsauger sind mit extremleistungsstarken Motoren ausgestattet und haben hierdurch eine enorme Saugkraft. Durch den Einsatz von Ritzendüsen werden Teppiche und/ oder Laminatsockelleisten, Bettumrandungen, Matratzennähte sowie sonstige Bereiche akribisch abgesaugt. Nach jedem Einsatz wir der Staubsauger isoliert aufbewahrt und gründlich von eventuell anhaftenden Insekten und/ oder Eiern befreit.

b. Dampfgeräte

Als nächster Schritt werden die Eier und mögliche Verstecke mit Trockendampf behandelt. Durch die hohe Temperatur von ca. 100 Grad Celsius werden die Eier sowie die versteckten Bettwanzen in allen Entwicklungsstadien sofort abgetötet. Die Dampfflussrate wird hierbei sehr niedrig gehalten, damit Bettwanzen nicht in andere Bereiche „gepustet“ werden. Außerdem bleiben die behandelten Flächen hierdurch relativ trocken.

Um Erfolge zu erzielen, ist darauf zu achten, dass alle Geräte professionell angewandt werden.

c. Trockeneisgeräte

Flüssiger Stickstoff hat den Vorteil, dass er schwerer als Luft ist. Daher kommt er vor allem bei baulichen Mängeln wie zum Beispiel bei Rissen in Wänden zum Einsatz. Kommen Bettwanzen mit flüssigem Stickstoff in Berührung, erfrieren sie und ihre Eier blitzartig und sind abgetötet.

Auch bei Trockeneisgeräten ist darauf zu achten, dass sie fachgerecht benutzt werden, weil eine unzureichende Behandlung nur eine betäubende Wirkung hat: Die mit Trockeneis behandelten Bettwanzen und Eier können nach einer kurzen Phase der Erwärmung wieder auftauen und weiterleben.

d. Heizgeräte

Bei einer dauerhaften Temperatur von über ca. 47 Grad Celsius sterben Bettwanzen. Um eine solche Behandlung erfolgreich durchführen zu können, darf es keine Rückzugsmöglichkeiten in Nachbarräume geben. Der zu behandelnde Raum muss gut isoliert sein. Außerdem müssen alle hitzeempfindlichen Gegenstände aus dem Zimmer entfernt werden. Diese sind vorher auf Befall zu überprüfen.

Sollte es Fluchtwege in Nebenräume oder Schächte geben, ist von dieser Methode abzuraten, weil Bettwanzen beim Aufheizen extrem aktiv werden.

Wärmebehandlungen werden von wenigen, spezialisierten Firmen angeboten, da die Geräte einen hohen Anschaffungspreis haben. Außerdem ist es zwingend erforderlich, genaue Kenntnis über die Eigenschaften des Gerätes zu verfügen.

Zusätzlich benötigen die Heizgeräte eine sehr hohe elektrische Leistung, was nicht überall verfügbar ist. Die Behandlungszeiten variieren je nach Gegebenheiten. Sie liegen zwischen 24 und 72 Stunden pro Raum.

Waschmaschienen

Waschen ist eine der wirksamsten Maßnahmen für befallene Kleidung, Vorhänge, Bettwäsche usw. Befallene Stoffe sollten bei 60° C gewaschen werden.
Bevor man die Gegenstände transportiert, sollte man sie in Maisstärkesäcke packen und versiegeln.

Wäschetrockner

Empfindliche Wäsche kann man auch für circa 30 bis 60 Minuten auf höchster Stufe im Trockner behandeln. Bitte achten Sie hierbei darauf, dass das Gerät mehr als 47 Grad erreicht.

NACHBEHANDLUNG

a. Kontrolle

Eine Behandlung ist erst dann erfolgreich, wenn der festgestellte Befall vollständig beseitigt worden ist.
Die Kontrolle sollte deshalb genauso gründlich erfolgen wie die Behandlung. Hierbei wird sich auf eventuell noch vorhandenen Bettwanzen konzentriert. Außerdem wird überprüft, ob alle (baulichen) Mängel fachgerecht beseitigt wurde.

Mängelbeseitigung

Alle Mängel (Schlupflöcher), die bei dem Audit oder während der Behandlung festgestellt wurden, müssen umgehend behoben werden. Sollte dies nicht geschehen sein, so ist das Risiko sehr groß, dass sich dort wieder neue Bettwanzen einnisten und sie als Nester nutzen.
Erst durch die Beseitigung der Mängel in Kombination mit einer gründlichen Kontrolle kann ein Bettwanzen freies Gebäude sichergestellt werden.

KRANKHEITSÜBERTRAGUNG

a. Studien

Es wurden mehrere Studien gemacht, die sich mit der Frage beschäftigt haben, ob und in welchem Ausmaß Bettwanzen Krankheiten übertragen.

Obwohl an und in Bettwanzen eine ganze Reihe von Krankheitserregern gefunden werden konnten, gab es bis heute keinen Beleg dafür, dass Bettwanzen diese Erreger auf Menschen übertragen.

b. Allergien

Dies bedeutet nicht, dass Bettwanzen aus medizinischer Sicht unproblematisch sind. Körperliche Reaktionen auf Bisse/ Stiche können sehr unterschiedlich ausfallen und zum Teil heftige Auswirkungen haben. Bissstellen auf der Haut können wochenlang sichtbar sein und in einigen Fällen zu Narbenbildung führen.

c. Psyche

Die psychischen Folgen wie Angstzustände eines Bettwanzenbefalls können ernsthafte Folgen haben, obwohl sie gegenwärtig kaum erforscht sind.

Von Bettwanzenbefall betroffene Personen klagen häufig über Schlafmangel und damit verbundene Symptome.

Vor allem Angstzustände können heftig sein und schlimmstenfalls bis zu Wahnvorstellungen führen, sodass der Betroffene meint, er selbst und/ oder seine Umgebung würden von unzähligen beißenden und krabbelnden Bettwanzen heimgesucht.
Diese Symptome können trotz erfolgreicher Bekämpfung anhalten.

SCHLUSSWORT

In eine Zeit, wo globales Reisen zum Alltag gehört, müssen wir uns auf neue Herausforderungen gefasst machen. Obgleich, für uns Europäer, unbekannte Viren (wie das CORONA Virus aus China) oder die Verbreitung von unerwünschte Insekten, wie die Bettwanzen, wichtig ist, dass wir uns mit solchen Themen aktiv auseinandersetzen, damit wir verstehen, WIESO es uns beschäftigt und WIE wir hiermit umgehen müssen.

Nur so können wir uns für panikähnliche Reaktionen hüten und schützen vor Unternehmen, die solche Situationen schamlos ausnützen.

Für Rückfragen steht Ihnen die Firma WALDEMAR jederzeit gerne zur Verfügung.

Marcel F. Pleister