Literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Gral
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Der Gral: Mythos und Literatur (Taschenbuch) Volker Mertens unternimmt es in diesem Buch, die literarische Ausgestaltung des Gralsmotivs in verschiedenen Zeitaltern, vom Mittelalter bis zur Gegenwart, aufzuzeigen. Dem Leser wird klar, wie sich die Semantik des Gralssymbols in der Literatur von Epoche zu Epoche verändert.
Das erste Kapitel, welches sich mit den verschiedenen Thesen zur Entstehung des Gralsmythos befasst, hätte man sich gerne etwas ausführlicher gewünscht, die in den nachfolgenden Kapiteln enthaltenen Zusammenfassungen mittelalterlicher Gralstexte hätten hingegen etwas weniger ausführlich ausfallen können. Sehr interessant ist es, zu erfahren, wie sich die inhaltliche Ausgestaltung der Gralslegende über das ganze Mittelalter hin erstreckt. Zahlreiche europäische Autoren, darunter auch literarische unbedeutende, wie z. B. Robert de Boron, haben daran Anteil gehabt. In der nachmittelalterlichen Zeit ist dann der Inhalt der Gralslegende eigentlich unverändert geblieben, die Deutung der Gralssymbolik jedoch bleibt veränderlich. Sie ist abhängig von in der jeweiligen Epoche herrschenden Verhältnissen und vom ideologischen Hintergrund der Deutenden. Besonders interessant sind auch Mertens Ausführungen über die Gralssymbolik zu Beginn der Moderne. Ebenso positiv ist es, dass die Gralsliteratur als gesamt-europäische Literatur deutlich gemacht wird - englische und französische Texte werden von Mertens gründlich berücksichtigt. Auch Texte jüngeren Datums, Werke von Dorst, Handke, Muschg werden von Mertens untersucht. Dass dabei das Kapitel über Spielfilme zur Gralsthematik etwas mager ausfällt, ist angesichts der Fülle dieser Untersuchung entschuldbar.
Der Gral als Symbol in der Kunst: hier liegt das eigentlich interessante und auch wirklich essentielle Gebiet für eine Auseinandersetzung mit der Gralsymbolik. Für letzlich ahistorische esoterische und pseudoreligiöse Gralstheorien ist hier kein Platz, wer solches sucht, wird bei Mertens enttäuscht werden.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 11. April 2005
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